Malereien von Maria Lassnig im MUMOK
„Ich wäre gerne böser“
Kunst und Kultur
Zum 90. Geburtstag von Maria Lassnig widmet das MUMOK der bedeutendsten österreichischen Künstlerin der Gegenwart eine große Personale, die sich auf Arbeiten der letzten zehn Jahre konzentriert.

(c) by Maria Lassnig
Rund 60 Gemälde belegen die Vielfalt und überragende Position des von Farbintensität, Vitalität und ungebrochener Erfindungskraft geprägten Spätwerks. Maria Lassnigs radikale Selbstbefragung bedient sich einer kontrastreichen expressiven Farbgebung als Ausdruck einer oft an Sarkasmus grenzenden Ironie. Unter den Exponaten finden sich neue großformatige Bilder, die im MUMOK zum ersten Mal öffentlich ausgestellt werden.
Offenlegung des Körpers
In den letzten Jahren ist Maria Lassnig endgültig der internationale Durchbruch gelungen. Die Künstlerin gilt nachfolgenden Generationen zu Recht als Vorreiterin und Visionärin, die den Diskurs und die Entwicklung der Malerei seit Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat. Im Zentrum ihres Schaffens steht seit sechzig Jahren die Künstlerin selbst bzw. das, was sie ihre „Körperempfindung“ nennt: „Es ist sicher, ich male und zeichne nicht den ‚Gegenstand’ Körper (…), sondern ich male Empfindungen vom Körper.“ (Maria Lassnig, 1999). Ihre Malerei zeigt einerseits die kompromisslose Offenlegung des eigenen Körpers und der eigenen Befindlichkeit, zum Anderen vermittelt sie den Blick von Außen und ermöglicht damit die scheinbar objektive Darstellung gleichzeitig existierender Körperwahrnehmungen.
Maria Lassnig, die sich gern mit der Aura der Einzelgängerin umgibt und von sich selbst sagt: „Ich wäre gern böser“, hat es wie wenig andere Künstler verstanden, sich in verändernden gesellschaftlichen Kontexten immer wieder aufs Neue zu bewähren. Jede Stilrichtung ihres Gesamtwerks besaß nur solange Gültigkeit, als sie der Visualisierung neuer Erfahrungen nicht im Wege stand.
Die Konfrontation mit dem neunten Jahrzehnt
Die Ausstellung wirft einen fokussierten Blick auf „Das neunte Jahrzehnt“ von Maria Lassnigs Schaffen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich ihr Werk immer konfrontativer und direkter, wobei die Künstlerin frühere Themen aktualisiert und variiert, ohne sich jedoch zu wiederholen.
Eine große Rolle spielt dabei die Erinnerung, wie Maria Lassnig betont: „Die Außenwelt dringt so sehr auf einen Menschen ein, dass man eigentlich gar nichts anderes darstellen könnte.“ So bezieht sich Maria Lassnig erneut auf die Verknüpfungen von Menschlichem und Animalischem, indem sie in einer Serie aus dem Jahr 2000 Meerschweinchen, Frösche, Vögel oder Affen umarmt und mit ihnen kokettiert. Auch mystische Elemente finden sich in ihren neuesten Arbeiten. In den sogenannten „Kellerbildern“ – sie entstanden in einem heißen Sommer im kühleren Keller ihres Hauses in Kärnten – hüllte sie Modelle in Plastikfolien, um die Körper neu zu empfinden und Situationen psychologisch zu deuten. Bereits in den frühen 1970er Jahren malte Maria Lassnig ein Selbstporträt mit Folie sowie ein Stillleben mit zellophanierten Äpfeln, nachdem sie in einem amerikanischen Supermarkt erstmals in Folie verpacktes Obst gesehen hatte. Eine Gruppe von „Erinnerungsbildern“ führt Lassnig bis in ihre Akademiezeit zurück. Maria Lassnig gestaltete einen „Adam und Eva“-Zyklus, in dem sie das Verhältnis der Geschlechter als zärtlich-erotische wie auch als aggressiv-feindselige Beziehungen thematisiert. Auch an ihre Strichbilder aus den 1960er Jahren, in denen sie in formal reduzierter Weise das “Zeichnen mit dem Pinsel” mit verschlüsselt surrealen und auch heiter-burlesken Inhalten verband, knüpft Lassnig in ihren neuen Arbeiten an.
Zu Maria Lassnig
Maria Lassnig wird 1919 in Kappel am Krappfeld, Kärnten, geboren. 1941 tritt sie in die Meisterklasse Wilhelm Dachauer an der Wiener Akademie der bildenden Künste ein, die sie bereits 1943 wieder verlassen muss, da dieser ihre Werke als „entartet“ einstuft. Sie führt ihr Studium bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl fort. In den 1950er und 1960er Jahren verbringt sie mehrere Jahre in Paris und kommt in Kontakt mit dem Surrealismus und zeitgenössischen Kunstströmungen, wie der amerikanischen und französischen informellen Malerei. Von 1968 bis 1980 lebt Maria Lassnig in New York und 1980 erhält als erste Frau im deutschen Sprachraum eine Professur für Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Die internationale Aufmerksamkeit Ihre Arbeiten betreffend steigt ab diesem Zeitpunkt enorm, es folgen Teilnahmen an der 39. Biennale in Venedig und der documenta 7 im Jahr 1982.
Für ihr Lebenswerk wurde die Künstlerin mehrfach geehrt und ausgezeichnet: u. a. mit dem Großen Österreichischen Staatspreis (1988 als erste bildende Künstlerin), dem Oskar Kokoschka-Preis (1998) und dem Max Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main (2004).
Offenlegung des Körpers
In den letzten Jahren ist Maria Lassnig endgültig der internationale Durchbruch gelungen. Die Künstlerin gilt nachfolgenden Generationen zu Recht als Vorreiterin und Visionärin, die den Diskurs und die Entwicklung der Malerei seit Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat. Im Zentrum ihres Schaffens steht seit sechzig Jahren die Künstlerin selbst bzw. das, was sie ihre „Körperempfindung“ nennt: „Es ist sicher, ich male und zeichne nicht den ‚Gegenstand’ Körper (…), sondern ich male Empfindungen vom Körper.“ (Maria Lassnig, 1999). Ihre Malerei zeigt einerseits die kompromisslose Offenlegung des eigenen Körpers und der eigenen Befindlichkeit, zum Anderen vermittelt sie den Blick von Außen und ermöglicht damit die scheinbar objektive Darstellung gleichzeitig existierender Körperwahrnehmungen.
Maria Lassnig, die sich gern mit der Aura der Einzelgängerin umgibt und von sich selbst sagt: „Ich wäre gern böser“, hat es wie wenig andere Künstler verstanden, sich in verändernden gesellschaftlichen Kontexten immer wieder aufs Neue zu bewähren. Jede Stilrichtung ihres Gesamtwerks besaß nur solange Gültigkeit, als sie der Visualisierung neuer Erfahrungen nicht im Wege stand.
Die Konfrontation mit dem neunten Jahrzehnt
Die Ausstellung wirft einen fokussierten Blick auf „Das neunte Jahrzehnt“ von Maria Lassnigs Schaffen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich ihr Werk immer konfrontativer und direkter, wobei die Künstlerin frühere Themen aktualisiert und variiert, ohne sich jedoch zu wiederholen.
Eine große Rolle spielt dabei die Erinnerung, wie Maria Lassnig betont: „Die Außenwelt dringt so sehr auf einen Menschen ein, dass man eigentlich gar nichts anderes darstellen könnte.“ So bezieht sich Maria Lassnig erneut auf die Verknüpfungen von Menschlichem und Animalischem, indem sie in einer Serie aus dem Jahr 2000 Meerschweinchen, Frösche, Vögel oder Affen umarmt und mit ihnen kokettiert. Auch mystische Elemente finden sich in ihren neuesten Arbeiten. In den sogenannten „Kellerbildern“ – sie entstanden in einem heißen Sommer im kühleren Keller ihres Hauses in Kärnten – hüllte sie Modelle in Plastikfolien, um die Körper neu zu empfinden und Situationen psychologisch zu deuten. Bereits in den frühen 1970er Jahren malte Maria Lassnig ein Selbstporträt mit Folie sowie ein Stillleben mit zellophanierten Äpfeln, nachdem sie in einem amerikanischen Supermarkt erstmals in Folie verpacktes Obst gesehen hatte. Eine Gruppe von „Erinnerungsbildern“ führt Lassnig bis in ihre Akademiezeit zurück. Maria Lassnig gestaltete einen „Adam und Eva“-Zyklus, in dem sie das Verhältnis der Geschlechter als zärtlich-erotische wie auch als aggressiv-feindselige Beziehungen thematisiert. Auch an ihre Strichbilder aus den 1960er Jahren, in denen sie in formal reduzierter Weise das “Zeichnen mit dem Pinsel” mit verschlüsselt surrealen und auch heiter-burlesken Inhalten verband, knüpft Lassnig in ihren neuen Arbeiten an.
Zu Maria Lassnig
Maria Lassnig wird 1919 in Kappel am Krappfeld, Kärnten, geboren. 1941 tritt sie in die Meisterklasse Wilhelm Dachauer an der Wiener Akademie der bildenden Künste ein, die sie bereits 1943 wieder verlassen muss, da dieser ihre Werke als „entartet“ einstuft. Sie führt ihr Studium bei Ferdinand Andri und Herbert Boeckl fort. In den 1950er und 1960er Jahren verbringt sie mehrere Jahre in Paris und kommt in Kontakt mit dem Surrealismus und zeitgenössischen Kunstströmungen, wie der amerikanischen und französischen informellen Malerei. Von 1968 bis 1980 lebt Maria Lassnig in New York und 1980 erhält als erste Frau im deutschen Sprachraum eine Professur für Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Die internationale Aufmerksamkeit Ihre Arbeiten betreffend steigt ab diesem Zeitpunkt enorm, es folgen Teilnahmen an der 39. Biennale in Venedig und der documenta 7 im Jahr 1982.
Für ihr Lebenswerk wurde die Künstlerin mehrfach geehrt und ausgezeichnet: u. a. mit dem Großen Österreichischen Staatspreis (1988 als erste bildende Künstlerin), dem Oskar Kokoschka-Preis (1998) und dem Max Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main (2004).
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